Wie hilfreich sind Chartformationen?

Chartformationen werden sehr gern gelehrt, weil sie scheinbare Ordnung in das Chaos der Kurse bringen. Im Nachhinein stellen sie sich als sehr logisch heraus, doch während des Intradaygeschehens sind sie schwer zu identifizieren und noch schwerer zu handeln. Die Chartformation allein bietet noch längst keine Gewähr dafür, dass ein Trader erfolgreich verläuft. Sie muss mit dem persönlichen Risiko- und Moneymanagement gekoppelt werden. Ein einfaches Beispiel: Der Trader entdeckt eine Konsolidierung, auch “Leiste” oder “Rechteck”, bei großen gleichmäßigen Schwüngen “Schiebezone” genannt. Es ist klar, dass ein Ausbruch nach oben oder unten aus dieser Formation eine neue, weit führende Bewegung initiieren könnte, die es sich lohnt zu handeln. Doch ein Rückschlag kann ebenso erfolgen, gegen den der Trader sich mit einem Stopp sichert. Wo soll nun dieser Stopp liegen? Auf der anderen Seite der Chartformation? Das wäre optimal, nun aber gilt es, das entsprechende Risikomanagement einzusetzen. Wenn diese Chartformation sehr breit ist, kann eine Position nur so klein gewählt werden, dass ihr Ausstoppen im Verlust – auf der anderen Seite der Leiste – höchstens ein bis zwei Prozent des Gesamtkapitals des Traders vernichtet. Eine sehr schmale Leiste hingegen kann mit viel knapperem Stopp und somit einer viel stärkeren Position gehandelt werden.

SchulterKopf Schulter Formation Chart

Muss ich die Chartformationen lernen?

Trader können sich ein wenig mit den vielen Chartformationen beschäftigen, vor allem, wenn sie ein persönliches Faible für geometrische Figuren und ihren visuellen Entsprechungen im Chart haben. Wichtig erscheint es jedoch, den Chartformationen nicht blindlings zu vertrauen. Einige Muster gelten schon seit den 1990er Jahren als “verbraucht”, darunter etwa die SKS und inverse SKS (Schulter-Kopf-Schulter und die Umkehrung). Solche Muster wurden in der Tradingliteratur seit den 1970er Jahren so oft vorgestellt, dass sie jeder Trader kennt und sie irgendwann ausprobiert, sich möglicherweise beim Nicht-Funktionieren enttäuscht davon abwendet und künftig die Kauf- und Verkaufsstopps irgendwo in die Nähe, aber nicht genau an die empfohlenen Punkte setzt. Das führt zu Orderclustern rund um eine SKS, die unter Umständen das ganze Muster als obsolet erscheinen lassen. Die weltweite Händlergemeinde nimmt dementsprechend ein ambivalentes Verhältnis zu vielen Chartformationen ein, welches diese entwertet. Ein weiteres Beispiel: Breakouts aus Konsolidierungen wie vorn beschrieben funktionieren in Werten wie Gold und bei manchen Forex-Paaren immer noch hervorragend. Sie funktionieren aber so gut, dass der Schwung der durchbrechenden Kurse zu einer irrsinnigen Slippage (Differenz zwischen Order- und Ausführungskurs) führt, bei manchen Derivaten sind es mehr als 30 Punkte. Anschließend erfolgt oft ein starkes Reversal, weil andere Trader etwa am Zielpunkt eines Breakouts ein Kauflimit für die Gegenrichtung setzen – das macht das Breakout-Trading mit Derivaten regelrecht gefährlich.

dreiecke chartformation

Die Chartformationen mit hoher Gewinnwahrscheinlichkeit

Die im Folgenden beschriebenen Chartformationen gibt es nach wie vor, mit den oben beschriebenen Einschränkungen können Trader jederzeit versuchen, sie zu handeln:

  • Double-Top und Double-Bottom: Die doppelten und oft mehrfachen (drei-, vier- und fünffachen) Hochs und Tiefs bilden markante Grenzen, deren Über-/Unterschreiten wirklich ein starkes Signal darstellt – Fehlausbrüche inklusive.
  • SKS (Schulter-Kopf-Schulter) und inverse SKS: Dieses Muster sieht wirklich aus wie ein Kopf zwischen zwei Schultern, Trader müssen aber auf die Vollendung der SKS oder inversen SKS warten. Dann kann ein Durchbruch der “Nackenlinie”, also der Verbindung zwischen den “Schultern”, ein starkes Signal darstellen – mit den oben beschriebenen Einschränkungen.
  • Flaggen und Wimpel (flags and pennants): Nach einem steilen Ausbruch schlägt der Kurs in Form einer Flagge oder eines dreieckigen Wimpels zurück. Das gilt als Fortsetzungsformation und funktioniert auch in den 2010er Jahren noch recht gut.
  • Trendkanäle (channels): Natürlich lassen sich immer Trendkanäle einzeichnen, es fragt sich nur, für welchen Zeithorizont. Beim Indextrading lohnen sich Zeiträume ab drei Monaten. Im Intradaybereich kann ein Trader mit Trendkanälen nur wenig anfangen, es sei denn, er scalpt äußerst hoch kapitalisiert auf engstem Raum.
  • Rechtecke (rectangles) oder Konsolidierungen oder Leisten oder Schiebezonen funktionieren, wie oben beschrieben. Oft erscheinen sie als das einzige Muster, das wirklich funktioniert. Das führt zu den oben benannten starken Ausbrüchen mit der entsprechenden Slippage.

flaggen wimpel chartformation

keil trenbestaetigung trendumkehr chart

rechteckige chartformationen