Fed-Sitzung am Mittwoch – diesmal wird es ernst!

Die Nerven der Börsianer sind schon extrem angespannt. Am kommenden Mittwoch wird die US-Notenbank ihre Leitzins-Entscheidung bekannt geben. Und noch wichtiger: Sie wird wahrscheinlich ihr Anleihen-Kaufprogramm zurückfahren, das momentan noch 85 Milliarden Dollar pro Monat umfasst. Damit würde die Fed erstmals seit der Finanzkrise ihre ultra-lockere Geldpolitik wieder ein bisschen zurückfahren – ein Gedanke, der die Börsianer rund um den Globus stark aufwühlt.

Dabei wissen die Investoren schon seit Mai, dass die Politik des billigen Geldes nicht ewig so weitergehen kann. Damals hatte Fed-Chef Ben Bernanke zum ersten Mal erklärt, dass eine leichte Verringerung der riesigen Anleihekäufe angedacht ist. Konkretes ist seitdem nichts passiert, aber die Märkte befinden sich trotzdem schon in Aufruhr.

Verwerfungen schon im Vorfeld

Die Renditen für 5jährige US-Staatsanleihen haben sich seitdem mehr als verdoppelt (von einem sehr niedrigen Niveau aus), die US-Bonds selbst sind im Gegenzug deutlich eingebrochen (von einem sehr hohen Niveau aus). Und vor allem die Schwellenländer haben die Kehrtwende in der US-Geldpolitik bereits massiv zu spüren bekommen. In Erwartung höherer Zinsen in den USA wurden aus den Emerging Markets enorme Gelder abgezogen. Dies brachte von Brasilien über Indien und Indonesien bis in die Türkei zuerst die Währungen und dann die Aktienmärkte unter Beschuss.

Dies alles geschah, obwohl die Fed ihre Geldpolitik bisher noch nicht im Geringsten gestrafft hat. Da stellt sich zurecht die bange Frage, was erst passieren kann, wenn die US-Notenbank tatsächlich ernsthaft auf die Bremse tritt. Werden dann weiter steigende Zinsen die Aktienmarkt-Rallye abwürgen, weil Dividendentitel im Vergleich zu Anleihen weniger attraktiv sind? Verursacht die Flucht aus den Schwellenländern dort Wirtschaftskrisen und bremst sie dadurch die globale Erholung? Wird der Aufschwung am US-Immobilienmarkt angesichts steigender Hypothekenzinsen zum Erliegen kommen, und damit das Wachstum in den USA gefährden?

Alles bereits in den Kursen enthalten?

Falls die Fed nächste Woche drosselt, werden all diese Fragen erneut aufgeworfen werden. An den Börsen könnte dies für erhebliche Verunsicherung sorgen. Möglicherweise passiert aber auch gar nichts dergleichen. Die Mehrzahl der US-Analysten glaubt inzwischen, dass es sich bei dem Straffungsschritt inzwischen um einen „Non-Event“ handle, also um ein nicht mehr relevantes Ereignis. Schließlich hätten die Marktteilnehmer schon viele Monate Zeit gehabt, um das vorangekündigte Geschehen in ihren Transaktionen zu verarbeiten. Dementsprechend werde der Markt auf den Straffungsschritt selbst dann nur noch wenig bis gar reagieren.

Denkbar ist außerdem, dass Ben Bernanke noch einmal Gnade vor Recht ergehen lässt, und die vom Markt so gefürchtete erste Straffung ein weiteres Mal hinausschiebt. Die Experten gehen aber größtenteils davon aus, dass der erste Schritt tatsächlich nächste Woche kommt. Im Durchschnitt wird erwartet, dass die Anleihen-Käufe zumindest um 10 Milliarden Dollar pro Monat zurückgefahren werden.

Historische Bedeutung 

Mehr als ein symbolischer Akt wäre das eigentlich nicht. Dennoch würde damit die Trendwende bei einer Geldpolitik eingeleitet, die so expansiv war wie niemals zuvor in der Geschichte der größten Wirtschaftsnationen der Welt. Insofern haben wir also gute Chancen, dass wir kommende Woche Zeugen der wichtigsten Notenbanksitzung dieses Jahrzehnts werden.