Die türkische Wirtschaft am Scheideweg

Am Dienstag erschien die türkische Wirtschaft noch ziemlich stark zu sein. Die türkischen BIP-Daten gaben eine jährliche Steigerung von 4,4 % gegenüber einer Schrumpfung von -0,5 % in der gesamten Eurozone bekannt. Solche Zahlen unterstützen die Vision des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan, dass bis zum Jahr 2023 – das 100. Geburtsjahr der Türkei – das BIP des Landes USD 2 Milliarden erreichen wird, womit sich der Staat unter den 10 größten Volkswirtschaften der Welt befinden würde, anstelle des gegenwärtigen 17. Platzes. Betrachtet man jedoch die Zahlungsbilanz, dann wird ersichtlich, dass der Nettoumsatz der Exporte minus den Zahlungen für die Importe ein Defizit von USD 5,8 Milliarden ausmachte. Weiteres Graben in der Leistungsbilanz brachte hervor, dass die Exporte im Jahresvergleich lediglich um 2,4 % zunahmen, die Importe jedoch um 10 % anstiegen.

Ein näheres Betrachten der Vermögensrechnung innerhalb der Leistungsbilanz zeigt noch mehr Kapitalabfluss, denn die gesamten türkischen Portfolio-Investitionen verringerten sich um USD 3 Milliarden. Mit anderen Worten scheint es, dass das erhöhte Wachstum der türkischen Wirtschaft die Bürger nicht dazu angeregt hat, das erhöhte Kapital in die lokale Wirtschaft zu investieren, sondern dieses Kapital hat das Land verlassen, um entweder als Zahlung für Importwaren oder für Investitionen im Ausland verwandt zu werden.

Dem Versuch, die wirtschaftlichen Grundlagen für diese Situation zu finden, führt zu der Abwertung der türkischen Lira als eine mögliche Ursache. Von der Abwertung der türkischen Lira in Höhe von 30 % im Laufe der vergangenen drei Jahre oder so profitierten die türkischen Exporte, weil dies die türkischen Produkte für Ausländer billiger machte. Man sollte außerdem beachten, dass die Nebenwirkungen der jährlichen Inflation von ungefähr 7,6 % in den letzten drei Jahren für eine führende Wirtschaft in der gegenwärtigen Wirtschaftslage sicherlich etwas weniger angebracht zu sein scheint.

Können die Proteste der Wirtschaft schaden

Die Türkei ist wieder dabei, aufgrund der wiederauferstandenen Proteste im ganzen Land die globalen Schlagzeilen zu dominieren, die letzte Woche wegen des Todes des 22-jährigen Protesters, Ahmet Atakan, an Umfang zugenommen hatten. Für die Türkei wird es nun schwieriger sein, die notwendigen Devisen zur Unterstützung ihrer Wirtschaft zu erhalten. Bedenken, dass die Demonstrationen vor den lokalen und Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr weitergehen oder sogar noch zunehmen werden, verstärken nur noch die anderen offen Probleme, wie der erfolglose Versuch der Türkei, die türkische Wirtschaft durch die Olympischen Spiele in 2020 zu unterstützen.