Börsentrends und ihre Entstehung

Was ist ein Börsentrend, wann gilt er als etabliert, wann soll der Trader einsteigen? Zweifellos sind das die Kernfragen beim Handel an der Börse, denn ein frühzeitiges Erkennen des sich bildenden Trends generiert große Gewinne. Erfahrene Händler wissen zwei Dinge: Ein Trend kann unendlich lange andauern, er kann aber auch jederzeit kippen.

Was ist der Trend?

“The trend is your friend”, diese alte Weisheit wird niemals an Bedeutung einbüßen. Der Trend ist eine eindeutig identifizierbare Marktrichtung, die sich an bestimmten, markanten Punkten des Charts festmachen lässt: Werden diese Punkt in Trendrichtung überschritten oder unterschritten, so hat sich ein Auf- oder ein Abwärtstrend etabliert. Eine Grundprämisse der technischen Analyse lautet, dass Kurse zu Trends tendieren. Die permanente Seitwärtsbewegung gilt demnach als Ausnahme, obgleich es sie über lange Phasen geben kann. Wer den Trend erkennt und in seine Richtung einsteigt, hat nichts mehr zu befürchten, sobald die ersten Gewinne die Transaktionskosten überschritten haben. An diese Stelle wird der erste Gewinnsicherungsstopp gesetzt. Es gibt jedoch etliche Situationen, in denen der Einstiegspunkt für den Trend – das Kaufsignal – erreicht wird und der Kurs unmittelbar danach wieder dreht. Der Trader hat keine andere Wahl, als einen Verlustbegrenzungsstopp zu setzen, der seinem Moneymanagement entspricht. Erfahrene Trader riskieren hierbei pro Position nicht mehr als ein bis zwei Prozent des zur Verfügung stehenden Kapitals.

trendfolge

Entstehung von Trends

Trends entstehen durch fundamentale Ereignisse und durch den Handel selbst. Welche Ursache wichtiger ist, wird seit Jahrhunderten diskutiert, es lassen sich hierzu also zwei konträre Auffassungen finden:

Fundamentalanalysten sind der Auffassung, dass Angebot und Nachfrage den Markt bestimmen und der Kurs eines Wertpapiers grundsätzlich den fairen Wert widerspiegelt. Das bedeutet, wenn ein Unternehmen gute Gewinne erwirtschaftet, investieren die Anleger in dessen Aktien, die Nachfrage steigt und treibt dadurch den Kurs nach oben. Es mag Übertreibungen und Rückschläge geben, doch grundsätzlich sollten die Aktien eines erfolgreichen Unternehmens nicht permanent fallen. Diese These gilt zwar vielen Charttechnikern als angestaubt, doch die erfolgreichsten Investoren der Welt wie Georges Soros und Warren Buffet gehen genau so vor und analysieren Unternehmen auf ihren Wert. Wenn ihnen die Aktien unterbewertet erscheinen, kaufen sie. Eine Prämisse von Warren Buffet lautet, dass er eigentlich nicht daran denkt, Aktien wieder zu verkaufen. Er ist in Trendrichtung eingestiegen und geht von einer permanenten Wertsteigerung aus. Auch das schwedische Nobelpreiskomitee schloss sich im Jahr 2013 dieser Auffassung an, es verlieh den Preis für Wirtschaftswissenschaften “Für die empirische-Analyse von Kapitalmarktpreisen“ an die Wissenschaftler Eugene F. Fama, Lars Peter Hansen und Robert J. Shiller (alle drei USA), weil sie nachgewiesen hatten, dass Börsenkurse langfristig auf soliden (empirisch belegbaren) fundamentalen Grundlagen basieren.

Charttechniker glauben, dass sich Trends selbst nähren und durch die Handelsaktivitäten der Marktteilnehmer getrieben werden. Es gibt hierfür ebenso viele Belege, die vor allem dadurch gestützt werden, dass an der Börse praktisch täglich irrationale Übertreibungen in beide Richtungen stattfinden. Eine bemerkenswerte Untersuchung hierüber stellte Benoît Mandelbrot (1924 – 2010) in seinem Hauptwerk “Fraktale und Finanzen” (2005) vor, in welcher er mithilfe fraktaler Mathematik nachweist, dass die Kurse eben nicht prognostizierbar seien und Märkte abseits unserer gewohnten (Gaußschen) Statistik völlig irrational reagieren – und zwar nicht ab und zu (aus Versehen), sondern permanent. Damit stützt Mandelbrot auf sehr solider mathematischer Grundlage die These, dass es keinen Grund für einen Trend gibt außer den Handel selbst. Wenn alle Marktteilnehmer an den steigenden Trend glauben, werden sie bis zum nächsten Rückschlag kaufen. Wenn alle Marktteilnehmer an fallende Kurse glauben, werden sie panisch und auch unter hohen Verlusten verkaufen (das “Lemminge-Prinzip”, sie stürzen wie die Lemminge von der Klippe). Charttechniker sind daher der Auffassung, dass Trends anhand charttechnischer Signale identifiziert werden sollten, um in Trendrichtung einzusteigen, dass der Trader danach seine Verluste per Stopploss begrenzen und sich anschließend Gott und der Wohlgefälligkeit des Marktes überlassen sollte.

Erfahren Sie mehr über die Trendfolge Strategie: